9 Dinge, die du über das Tote Meer und die Judäische Wüste noch nicht wusstest

Das Tote Meer ist weder tot noch ein Meer

Im Deutschen und in vielen anderen Sprachen hat sich der Name „Totes Meer“ etabliert, aber auf Hebräisch und in der Bibel heißt es entweder „Salzmeer“ oder „Östliches Meer“. Die Römer waren die ersten, die es „das Tote Meer“ nannten – der Name ist aber doppelt falsch: Es ist kein Meer, sondern ein See und es ist nicht tot. Obwohl es tatsächlich keine Fische gibt, leben Bakterien und mikrobische Pilze im Wasser. Diese Informationen sind an sich nicht besonders neu: schon 1936 fand der israelische Biologe Benjamin Elazari Volcani halophiele (=salzliebende) Archaeen im Toten Meer.

Tote Meer und die Judäische Wüste

Die Judäische Wüste und der Negev sind zwei verschiedene Wüsten

Wenn du die Straße 90 südlich von Ein Gedi bis Eilat hinabfährst, wird sich die Landschaft vor deinem Fenster nicht sonderlich verändern – dennoch durchquerst du zwei verschiedene Wüsten. Der Negev ist Teil des subtropischen Wüstengürtels um den 30. Grad nördlicher Breite, zu dem auch die Wüsten in Ägypten, Marokko, Jordanien und so weiter gehören. Die Judäische Wüste wiederum ist eine kleine, lokale Regenschattenwüste. Feuchte Luft vom Mittelmeer kollidiert mit den Jerusalemer Bergen, steigt auf, kühlt ab und regnet in Wolkenform über Jerusalem. Hinter den Bergen steigen die Wolken wieder ab, werden wärmer und die Feuchtigkeit, die sie transportieren, verdunstet. Die Linie zwischen Arad und Beer Sheva bildet die unsichtbare Grenze zwischen den beiden Wüsten.

Der Salzgehalt des Toten Meeres

Das Tote Meer ist salzig. Der Salzgehalt liegt bei etwa 34 Prozent – zehnmal so hoch wie im Meerwasser. Es gibt jedoch zwei Seen, die noch salziger sind: Der Assalsee in Djibouti und der Garabogazköl (auch Kara-Bogas-Gol) in Turkmenistan, wo der Salzgehalt bei 35 Prozent liegt. Das Wasser ist so dicht, dass man sich darauf treiben lassen kann.

Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt und steigt

Das Tote Meer besteht aus zwei Teilen – dem nördlichen Teil, dem natürlichen See, und dem südlichen Teil, der sich künstliche Becken unterteilt, die den Dead See Works gehören. Brom, Kaliumcarbonat, Magnesium und andere Mineralien werden hier gewonnen. Der Wasserspiegel des nördliche Teils des Toten Meeres sinkt jedes Jahr um mehr als einen Meter. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen staut Israel den Jordan südlich vom See Genezareth, sodass die Hauptwasserquelle fast versiegt ist. Zum anderen pumpen die Dead Sea Works das Wasser gezielt ab, um es auf die südlichen Becken zu verteilen. In den Becken sinkt der Salzgehalt und der Wasserspiegel steigt.

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Credit:
NASA

Die Hotels am Toten Meer liegen nicht am (natürlichen) Toten Meer

Die Hotels in Ein Bokek und Neve Zohar liegen alle am südliche Teil des Toten Meeres, neben dem Becken Nr. 5. Der Wasserspiegel steigt hier kontinuierlich, weswegen die Hotels in naher Zukunft Probleme kriegen werden.

Asphalt/Bitumen

Über Jahrtausende hinweg hat das Tote Meer von Zeit zu Zeit große Asphalt-Brocken, auch Bitumen genannt, ausgespien. Es gab einen großen Wettbewerb darum, wer es zuerst sah und Anspruch darauf erheben konnte. Heute denken die meisten Leute an den Straßenbau, wenn sie Asphalt hören. Aber in der Antike wurde es sehr viel vielfältiger verwendet: Als Medizin, bei der Einbalsamierung oder um Schiffe abzudichten. Asphalt aus dem Toten Meer galt als von höchster Qualität und in römischen Schriften wird er auch als jüdischer Asphalt bezeichnet. In den letzten Jahrzehnten hat das Tote Meer keinen Asphalt mehr produziert; das letzte Mal 1970. Eine Theorie ist, dass er auf dem Grund des Toten Meeres von großen Salzmengen blockiert wird. Eine weitere sieht einen Zusammenhang zwischen dem Asphalt-Ausstoß und Erdbeben, die es in der Region in den letzten Jahrzehnten nicht (oder nicht ausreichend stark) gegeben hat.

Der Salzgehalt des Toten Meeres

Afarsimon-Öl oder Balsam-Öl

Der Mosaik-Fußboden der antiken Synagoge in Ein Gedi enthält die Warnung, dass derjenige, der das Geheimnis des Dorfes verrät, verflucht sein soll. Das „Geheimnis“ ist womöglich die Produktion von Afarsimonöl, ein sehr teures Parfüm, das in antiken Schriften erwähnt wird. Die Warnung war erfolgreich – heute ist nicht klar, um welche Pflanze es sich genau handelte und wie das Öl hergestellt wurde. Die Afarsimon-Haine waren sehr wertvoll und gaben Anlass für zahlreiche Konflikte. Auch Kleopatra hatte an ihnen Interesse und versuchte durch ihre Beziehung mit Marcus Antonius den Besitz von König Herodes auf sie selbst übertragen zu lassen. Und womöglich kamen die Römer, nachdem sie die Rebellion in Jerusalem niedergeschlagen hatten, nicht wegen einer kleinen Rebellengruppe mit tausend Soldaten nach Masada (74 n.Chr.), sondern um die Afarsimon-Haine zu schützen. 60 Jahre später, während des Bar-Kochba-Aufstands (132-135 n.Chr.), zerstörten die Aufständischen den Hain und fügten den Römern so erheblichen Schaden zu.

Mit der arabischen Eroberung des Nahen Ostens im 7. Jahrhundert entstanden neue Handelsstraßen über die billigeres Parfüm und Weihrauch aus dem Fernen Osten nach Europa gelangten. Obwohl das antike Wissen um das Afarsimonöl verloren war, haben Forscher in den letzten Jahren den antiken Baum als einen afrikanischen Baum, Commiphora gileadensis, identifiziert. Seitdem wird versucht, ihn in Ein Gedi und nördlich des Toten Meeres zu pflanzen.

Der Mosaik-Fußboden der antiken Synagoge in Ein Gedi

Die heilige Wüste

Wenn man durch die Judäische Wüste fährt, sieht man nicht viele Siedlungen. Die Wüste ist ein rauer Ort zum Leben. Diejenigen, die in der Wüste lebten, taten dies wegen der Nähe zu Jerusalem: König David entkam nach Ein Gedi, König Herodes baute in der Wüste eine Festung, die Essener wandten sich von der Korruption am Tempel ab und siedelten in Qumran, während des Bar-Kochba-Aufstands verschanzten sich die jüdischen Rebellen in der Festung des Herodes und christliche Mönche lebten in den Höhlen der Judäischen Wüste. Man kann die Geschichte der Judäischen Wüste nicht verstehen, wenn man die politische, religiöse und ökonomische Situation in Jerusalem nicht kennt.

Die Qumran-Rollen

Bis 1947 waren die beiden ältesten bekannten Bibelausgaben etwa tausend Jahre alt: der Codex von Aleppo und der Codex Leningradensis. Ein Drittel der Qumran-Schriftrollen waren jedoch Teile einer Bibel, die 2000 Jahre alt war. Die Rollen waren in der trockenen Wüste gut erhalten geblieben. Die Frage nach den Verfassern der Rollen treibt bis heute viele Forscher um. Waren es die Essener? Die Sadduzäer? (Beides Gruppen innerhalb des Judentums zur Zeit des Zweiten Tempels.) Oder waren sie Teile einer Bibliothek, die vor der Rebellion dort versteckt wurde? Gibt es eine Verbindung zwischen den Verfassern und den ersten Christen? Es gibt viele Theorien über die Schriftrollen, aber zumindest eine Sache ist sicher: Die Qumran-Rollen sind einer der bedeutendsten archäologischen Funde in Israel.

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