Sarona German Templer

Sarona (Templer-Kolonie)

Die zweistöckigen Häuschen mit den rotgeziegelten Dächern und den grünen Fensterläden im Zentrum von Tel Aviv scheinen zu einem malerischen Dorf zu gehören. Es sind die vielleicht eindrucksvollsten Überreste der deutschen Templer. Während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen einige messianische Gruppen nach Israel und siedelten sich hier an. Die meisten von ihnen, z.B. die Amerikaner, hielten es jedoch nicht lange hier aus und gaben ihre Pläne nach einigen Monaten wieder auf. Die Templer jedoch, die aus einer Gegend im heutigen Baden-Württemberg kamen, schafften es, sich in Israel langfristig anzusiedeln und mehrer Kolonien zu gründen.

Wie bei vielen andere religiöse Gruppen, standen den Templern zwei charismatische Anführer vor, Christoph Hoffmann und Georg David Hardegg. Hoffmann, ein radikaler konservativer war von Kirche und Gesellschaft in Deutschland enttäuscht und gründete die „Gesellschaft für Sammlung des Volkes Gottes in Jerusalem“. Hardegg war ein Händler und wurde später aufgrund von reaktionären Aktivitäten verhaftet. Nach einer Vision begann er, messianischen, religiösen Ideen zu folgen. Während Hoffmann der intellektuelle Führer der Gruppe wurde, kümmerte sich Hardegg um die praktischen Angelegenheiten. Sie glaubten daran, dass die biblische Weissagung sich erfüllen und sie die Wiederkehr des Messias beschleunigen würden, wenn sie sich an die Lehren des Evangeliums hielten, danach handelten, sich einfach kleideten und mit ihrer Vision tausende Familien ins gelobte Land führten.

1867 kam eine kleine Gruppe dieser Templer nach Israel und siedelte sich in Haifa an. Zwei Jahre später gründeten sie die Kolonie „Sarona“ im heutigen Tel Aviv. Der Name „Sarona“ ist biblisch. Die Templer dachten, sie würden auf der Fläche der Sharon-Ebene siedeln, die aber eigentlich eher im Norden Tel Avivs liegt. Die Anfänge waren nicht leicht. Die Kinder starben an Malaria und erst als die Siedler die Sümpfe trocken gelegt hatten, begann das Dorf zu florieren. Drei Generationen lang war Sarona eine erfolgreiche, blühende Siedlung. Die Generationen, die der ersten folgten waren weniger reaktionär und orientierten sich wieder eher an den Werten  der protestantischen Kirche. Außerdem sahen sie sich, im Gegensatz zur ersten Siedlergeneration, als Deutsche und als Hitler in Deutschland an die Macht kam, identifizierten sich einige der Templer mit seinen Idealen und traten in die Partei ein. Die Briten sahen sie daraufhin als Angehörige einer verfeindeten Nation an und zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden sie nach Australien und Deutschland verschifft. Sarona wurde zu einer britischen Armeebasis umfunktioniert und wurde später auch von der israelischen Armee als solche genutzt. In den letzten Jahren wurden Millionen von Dollar investiert um den Häusern ihren ursprünglichen Charme zurückzugeben. Heute haben sich dort verschiedene Firmen angesiedelt und es gibt ein Museum.

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