Holocaust and Revival

Rabin Platz

Der Rabin Platz (Kikar Rabin) ist der wichtigste Platz in Tel Aviv. Das große, graue,  rechteckige Gebäude an seiner Nordseite, das nicht gerade eine architektonische Schönheit ist, ist das Rathaus von Tel Aviv. Verschiedene Feste, die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag, Konzerte, Großkundgebungen, und große Demonstrationen werden hier abgehalten. Am 4. November 1995 fand hier auf dem Platz eine Kundgebung zur Unterstützung der Osloer Friedensverträge statt. Gegen Ende der Veranstaltung wurde der israelische Premierminister, Yitzhak Rabin, hier auf dem Platz von einem jüdischen Extremisten erschossen.

Rabin Platz

Daraufhin wurde der Platz in Rabin Platz unbenannt. Israelis erzählen oft stolz davon wie geschlossen ihre Nation ist, wie schön es ist, dass jeder jeden kennt und dass am Ende eines jeden Streits alle erkennen dass sie letztendlich im gleichen Boot sitzen und zusammen halten. Dieses Attentat entzog ihnen allen den Boden unter den Füßen, hinterließ eine tiefe Narbe und wurde zum nationalen Trauma.

Das Attentat war der Höhepunkt eines Konflikts zwischen der israelischen Linken und der Rechten, der sich in den vier Jahrzehnten davor immer weiter hochgeschaukelt hatte. Bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 verlief dieser Konflikt entlang wirtschaftlicher und sozialer Fragen. Im Krieg befreite/eroberte (je nachdem wen man fragt) Israel den Gaza-Streifen und die Sinai-Halbinsel (ehemals Ägypten); die Golan-Höhen (ehemals Syrien) und die Westbank/Judäa und Samaria (ebenfalls je nachdem wen man fragt), die bis dahin zu Jordanien gehört hatten. Der Ausgang dieses Krieges beeinflusste den sozio-politischen Diskurs in Israel maßgebend. Die israelische Linke wurde zu Befürwortern einer Zwei-Staatenlösung mit der Ansicht dass die andauernde israelische Besetzung von hunderttausenden Palästinensern Israel nur schaden kann. Die Rechte, dagegen, behauptet dass Israel von feindlichen, instabilen und unzuverlässigen arabischen Staaten umgeben ist und das der Hass gegen Juden und den jüdischen Staat, den es weiterhin abzuwehren gilt, schon vor dem Sechs-Tage-Krieg und dem Unabhängigkeitskrieg von 1948 existierte.

An der Stelle an der Rabin getötet wurde, wurde ein Monument errichtet, dass aus 16 Basaltsteinen von den Golanhöhen besteht. Aber die Graffities an der nahegelegenen Wand, bringen den Schock und die Fassungslosigkeit der Tage nach dem Attentat noch weitaus authentischer zum Ausdruck.

Das „Holocaust und Wiedererwachen“-Denkmahl

Rabin Platz

Ein anderes Denkmahl steht an der Südseite des Platzes, an der Ecke der Straßen Ibn Gabirol und Frishman. Es wurde von dem renommierten israelischen Künstler Yigal Tumarkin geplant und 1975 errichtet. Es gleich einer umgekehrten Pyramide und trägt den Titel „Holocaust und Wiedererwachen“. Die Verbindung zwischen dem Holocaust und der Idee des Wiedererwachens oder Auferstehung ist existentiell für das Verständnis des israelischen nationalen Narrativs. Beide Ereignisse mit so existentieller Bedeutung für das israelische Volk – der Holocaust in dem ein Drittel der jüdischen Weltbevölkerung getötet wurde und die Wiederauferstehung des jüdischen Volkes als Nation mit der Gründung des Staates Israel – geschahen innerhalb nur weniger Jahre. Tumarkin wählte zur Darstellung dieser beiden symbolträchtigen Ereignisse zwei überdimensionale Dreiecke, die von oben betrachtet einen Davidsstern bilden. Die beiden Dreiecke sind nicht gleich groß. Der kleinere trägt die umgekehrte Pyramide, die aussieht, als würde sie jeden Moment umkippen. Der Raum innerhalb dieses Monuments ist eng und die metallenen Stangen lassen ihn wie eine Gefängniszelle erscheinen. Aber wer im Innern steht und nach oben blickt sieht wie sich das Monument nach oben hin öffnet, dem Himmel und der Hoffnung entgegen.

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