Jüdische Zeit

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Kohelet 3; 1-8

Der Tag beginnt

Nach der westlichen Kultur beginnt ein Tag um Mitternacht. Nach jüdischer Zeit beginnt ein Tag, wenn am Abend die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Der Grund für diesen Unterschied ist, dass im Buch Genesis geschrieben steht: „Es ward Abend und es ward Morgen, ein Tag.“ Zuerst kam der Abend, dann der Morgen. Der Sabbat zum Beispiel beginnt am Freitagabend, wobei der Samstagabend ist bereits zum Sonntag gezählt wird. Aus diesem Grund fahren in Israel von Freitagabend bis Samstagabend keine öffentlichen Verkehrsmittel.

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Sonnenuntergang. Wenn drei Sterne erleuchten beginnt ein neuer Tag.

Die jüdische Woche

Die Siebentage-Woche, oder genauer gesagt, den siebten Tag als einen besonderen Tag zu feiern, begann in der frühen babylonischen Kultur. Den siebten Tag zum Ruhetag zu machen, war jedoch eine jüdische Idee, die nach und nach zum Rest der Welt durchsickerte, hauptsächlich durch das Christentum. Auf Hebräisch sind die Wochentage durchgehend nummeriert: Sonntag ist Jom Rischon – „Erster Tag“, Montag Jom Scheini– „Zweiter Tag“ und so weiter. Der Sabbat ist die einzige Ausnahme. Die Bedeutung des Wortes Sabbat ist nicht der „siebte Tag“ sondern der „Tag der Ruhe von der Arbeit“. Nach der jüdischen Überlieferung schuf Gott die Welt in sechs Tagen und ruhte am siebten Tag. Deshalb sind auch die Juden aufgefordert, am siebten Tag der Woche Ruhe zu halten. Der Sabbat ist mehr als ein Ruhetag, er ist auch Teil der Zehn Gebote, eine heilige Zeit. Die religiöse Vorstellung heiliger Orte ist in vielen Religionen zu finden, doch heilige Zeit ist ein faszinierendes und einzigartiges jüdisches Konzept. Die Römer zerstörten zwar den heiligen Ort der Juden, den Tempel, der Sabbat jedoch kann nicht zerstört werden.

In Israel ist Samstag Ruhetag und die Arbeitswoche beginnt am Sonntag und endet Freitagnachmittag. Den Sabbat zu halten umfasst zahlreiche Verhaltensweisen und Rituale. Orthodoxe Juden entzünden die Sabbatkerzen (vor Beginn des Sabbat), benutzen keine elektrischen Geräte oder Autos, sie tragen besondere Kleidung am Sabbat und halten noch hunderte weitere Gebote ein. Traditionelle Juden zünden die Kerzen an und fahren kein Auto, vermeiden aber nicht unbedingt die Nutzung von Elektirizität. Säkulare Juden wiederum (ungefähr 50% der israelischen Juden) halten sich an kein einziges dieser Gebote. Traditionell kommt am Sabbatabend, also Freitagabend, die Familie zum Abendessen zusammen. Diese Tradition wird auch heute noch von den meisten, auch den säkularen, Israelis bewahrt.

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Am Freitag werden in den Nachrichten die genauen Zeiten von Sabbatbeginn und -ende für die jeweiligen Städte bekannt gegeben.

Der Jüdische Kalender

Der christliche Kalender richtet sich nach der Sonne, der muslimische nach dem Mond. Der jüdische Kalender tut beides. Die Monate beginnen und enden mit den Mondphasen: wenn sich die Mitte der Mondsichel nach rechts neigt und jeden Tag voller wird, ist Monatsanfang, bei Vollmond ist die Mitte des Monats und wenn sich die Mondsichel nach links neigt und wieder schmaler wird, nähert sich der Monat seinem Ende. Das Problem ist, dass der Mondkalender ein kleines bisschen kürzer ist, als der Sonnenkalender, das Jahr also ein wenig kürzer ist. Nach dem muslimischen Mondkalender kann derselbe Feiertag in einem Jahr im Sommer liegen und ein paar Jahre im Winter. Der jüdische Kalender ist auch ein landwirtschaftlicher Kalender, weshalb die Jahreszeiten von besonderer Bedeutung sind. Damit sicher gestellt ist, dass die Feiertage immer in die selbe Jahreszeit fallen, wird alle vier Jahre ein weiterer Monat hinzugefügt. Jedes vierte Jahr ist also ein Schaltjahr mit 13 Monaten (dasselbe Prinzip, wie der 29. Februar im westlichen Kalender). Die Feiertage in Israel werden nach dem jüdischen Kalender gehalten, fallen also jedes Jahr auf ein anderes Datum im westlichen Kalender. Das jüdische Neujahrsfest z.B. liegt immer ungefähr Ende September/Anfang Oktober. Im Abstand von 19 Jahren stimmen die Daten des jüdischen Kalenders und des westlichen Kalenders wieder überein.

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Welches Jahr haben wir?

Aktuell ist das Jahr 2017, weil Jesus Christus, der Überlieferung nach, vor 2017 Jahren geboren wurde. Die Juden glauben nicht an Jesus. Der Jüdische Kalender zählt die Jahre seit der Erschaffung der Welt, (entsprechend der jüdischen Überlieferung) und somit ist nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5777.

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Die Erschaffung der Welt, Michelangelo, Sixtinische Kapelle.

Und so wird das jüdische Datum geschrieben

Die Zahl 5777 wird man auf hebräischen Dokumenten vergeblich suchen. Der Grund dafür ist, dass das Datum nicht in Ziffern sondern in Buchstaben geschrieben wird. Diese Methode heißt Gematrie. Statt 1. des Monats wird A des Monats geschrieben, der 2. wäre B usw. (wobei natürlich das Hebräisch Alphabet genutzt wird). J (bzw. Jod) ist 10 und 11 ist JA, 12 JB usw… 20 ist K (bzw. Kaph) und 21 KA. Ebenso wird auch das Jahr in Hebräischen Buchstaben geschrieben.

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