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Dein israelischer Geldbeutel

Man kann die israelische Gesellschaft kennenlernen, indem man in den Supermarkt geht oder durch verschiedene Viertel Jerusalems läuft, aber auch die Münzen und Geldscheine im Geldbeutel erzählen Geschichten. Die Darstellungen auf den Scheinen wurden nicht zufällig ausgewählt. Dir die israelischen Münzen und Geldscheine genauer anzuschauen, wird es dir auch leichter machen, wenn du vor Ort das erste Mal versuchst zu bezahlen.

Israelische Münzen

10 Agorot

Ten-Agorot

Die kleinste Münze ist 10 Agorot wert. Auf der einen Seite findet sich die Angabe „10 Agorot“ und auf der anderen Seite die Abbildung einer siebenarmigen Menorah. Obwohl der Davidstern das bekannteste jüdische Symbol ist, ist es eigentlich relativ neu – erst seit dem Mittelalter repräsentiert er das jüdische Volk. Die Menorah dagegen hat das jüdische Volk seit 3000 Jahren begleitet und symbolisiert ausschließlich das Judentum, weswegen sie als Symbol des Staates Israel ausgewählt wurde. Die hier dargestellte Menorah wurde nach dessen Tod im Jahr 37 v.Chr. auf Münzen des letzten Hasmonäer-Königs Antigonus II. Mattathias gefunden. In diesem Jahr kam Herodes an die Macht, was den Beginn der Römerherrschaft über das Land Israel markiert.

Was kann man mit 10 Agorot kaufen? Nichts. Als ich ein Kind war kostete das billigste Kaugummi („Bazuka“) 10 Agorot, aber diese Zeiten sind lange vorbei.

Ein halber Shekel (50 Agorot)

50-Agorot

Auf der einen Seite ist die Harfe abgebildet. Sie wird als „Kinor David“ ausgewiesen, die Harfe, die König David spielte. Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass drei Saiten über die Harfe hinausgehen – um eine etwaige Fälschung zu erschweren. Auf der anderen Seite, auf der der Wert der Münze angegeben ist, siehst du etwas Interessantes: Es heißt nicht „50 Agorot“, wie man vielleicht erwarten würde, sondern „ein halber Shekel“. Israelis sprechen von einem halben Shekel und nicht von 50 Agorot. Der Grund ist der, dass „ein halber Shekel“ die Bezeichnung einer historischen Steuer ist, die jeder männliche Jude an den Tempel in Jerusalem entrichten musste. Es steht geschrieben, dass auch die Armen diesen Betrag zahlen mussten, es den Reichen aber auch nicht erlaubt war, mehr zu zahlen. Die Idee dahinter war, dass dementsprechend jeder den selben Anteil am Tempel besaß.

Was kann man mit einem halben Shekel kaufen? Irgendein Kaugummi – vielleicht.

l Shekel ( oder NIS – Neuer Israelischer Shekel)

Shekel

Der neue Shekel ist, wie alle derzeit gebräuchlichen Münzen, seit 1985 in Umlauf. Aber die Geschichte des Shekel reicht viel weiter zurück. Der erste Shekel wurde vor 5000 Jahren geprägt und diente im akkadischen Reich als Münze und Gewicht. Im Hebräischen besteht eine Ähnlichkeit zwischen den Wörtern Shekel und Mishkal (Gewicht).
Auf der Rückseite des Shekel findet sich die Darstellung einer Lilie (fleur-de-lis). Es ist als Symbol europäischer Herrscherhäuser bekannt, wurzelt aber in deutlich älteren östlichen Kulturen. Vor 2500 Jahren erlaubten die Perser den Juden in das Land Israel zurückzukehren, nachdem sie 70 Jahre zuvor von den Babyloniern von dort vertrieben worden waren. Den Juden wurde eine gewisse Autonomie gewährt sowie das Münzrecht. Auf den Münzen, die sie prägten, fand sich die Darstellung einer fleur-de-lis und daneben stand „Yahd“ in alter hebräischer Schrift – so, wie du es heute auf dem neuen israelischen Shekel finden kannst.

Was kann man mit einem Shekel kaufen? Weißkohl, wenn er Saison hat.

Zwei Shekel (zwei heißt auf Hebräisch „shnaim“, daher der Name „Shnekel“)

Dies ist die neueste Münze, die seit 2007 in Umlauf ist. Auf der Rückseite sieht man zwei Füllhörner und dazwischen einen Granatapfel. Die Darstellung wurde von einer Münze aus der Zeit des Johannes Hyrcanus, eines Anführers der Hasmonäer im zweiten Jahrhundert v.Chr., übernommen.

Was kann man mit einem Shnekel kaufen? Ein Eis am Stil im Supermarkt.

Fünf Shekel

5-Shekels

Anders als der Shnekel, der Shekel oder die 10-Agorot-Münze, auf denen sich Darstellungen antiker jüdischer Münzen finden, zeigt die 5-Shekel-Münze die Zeichnung eines proto-aeolischen Kapitells. Diese Art Kapitell wurde bei Ausgrabungen aus der Epoche der Könige (vor 3000 Jahren) gefunden.

Was kann man mit 5 Shekeln kaufen? Einen Kaffee to go in einem günstigen Laden.

10 Shekel

10-shekel

Dies ist die Münze mit dem höchsten Wert. Um die Herstellung zu erschweren, besteht sie aus zwei Metallen. Der innere Teil ist vergoldete Bronze, der äußere Nickel. Zwar ist der Olivenbaum der Nationalbaum, die hier abgebildete Palme ist aber ebenfalls ein nationales Symbol. In der rabbinischen Literatur heißt es, das kein Teil der Palme vergeudet wird: Die Datteln werden gegessen, die Zweige finden als Bedachung Verwendung, der Bast wird zu Seilen, die Blätter zu Besen, das Holz zu Zimmerdecken.

Was kann man mit 10 Shekel kaufen? Eine halbe Falafel.

Israelische Geldscheine:

20 Shekel Schein

20-Shekel

Alle israelischen Banknoten zeigen das Portrait einer wichtigen Persönlichkeit. Die Darstellungen sind, wenn man genau hinschaut, aus kleinen, hebräischen Buchstaben zusammengesetzt. Die Buchstaben sind die Initialen desjenigen, der auf dem Schein abgebildet ist. Auf dem 20-Shekel-Schein ist Moshe Sharett abgebildet, der der erste Außenminister und der zweite Premierminister war. Der Text daneben ist ein Auszug aus seiner Rede, die er 1949 hielt, als die israelische Flagge bei den Vereinten Nationen gehisst wurde. Die Rückseite des Scheins ist den jüdischen Freiwilligen aus dem Land Israel gewidmet, die im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland kämpften.

Blindenschrift: zwei vertikale Linien.
Was kann man mit 20 Shekeln kaufen? Eine Falafel, manchmal mit einem Getränk.

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50 Shekel Schein

50-Shekel-Agnon

Shai Agnon war der erste Israeli, der einen Nobelpreis (in diesem Fall für Literatur) gewann und sein Portrait findet sich auf dem 50-Shekel-Schein. Daneben steht in sehr kleinen Buchstaben ein Teil seiner Dankesrede. Auf der Rückseite ist eine Zeichnung der Jerusalemer Altstadt abgebildt, das Pult, an dem Shai Agnon schrieb (er schrieb immer im Stehen), seine Brille und sein Füllfederhalter.

Seit 2014 ist zudem ein neuer 50-Shekel-Schein mit dem Portrait von Shaul Tchernichvsky in Umlauf.

Blindenschrift: drei vertikale Linien
Was kann man für 50 Shekel kaufen? Einen Kaffee und ein Sandwich in einem teuren Café.

100 Shekel Schein

100 Shekel Schein

Während auf dem 50-Shekel-Schein eine Zeichnung von Jerusalem ist, der Hauptstadt Israels, findet sich auf dem 100-Shekel-Schein eine Zeichnung des kleinen Dorfes Peki’in in Galiläa. Warum wurde einem so kleinen Dorf eine so große Ehre zuteil? Wegen des Portraits auf der Vorderseite: Yitzhak Ben-Zvi. Ben-Zvi war der zweite Präsident Israels, aber auch ein Historiker, der zur Geschichte des Landes Israel und der jüdischen Diaspora forschte. In den 1920er Jahren stieß er auf ein paar jüdische Familien, die seit Generationen in Peki’in gelebt hatten. Für die jüdischen Pioniere, zu denen auch Ben-Zvi gehörte, war das eine große Entdeckung. Es war bekannt gewesen, dass Juden in den vier heiligen Städten – Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias – gelebt hatten, aber diese lebten von Spenden aus der Diaspora. In Peki’in waren die jüdischen Familien Bauern, die das Land bestellten und für die Pioniere wurden diese Bauern und ihr Dorf zum Symbol. Yitzhak Ben-Zvi forschte auch zu Juden in der Diaspora und der Text neben seinem Portrait stammt aus einem Gespräch mit Juden aus dem Jemen. Der Schatten hinter ihm ist sein Zuhause. Ben-Zvi war ein bescheidener Mann, der selbst während er Präsident war, in einer Hütte lebte. Er bestand darauf, dass sein Gehalt nicht angehoben würde und selbst nach zehn Jahren im Amt (er war der einzige israelische Präsident, der dreimal gewählt wurde) war sein Gehalt niedriger als das seines Fahrers. Die Knesset, das israelische Parlament, wartete, bis er zu einem Staatsbesuch außer Landes reiste, um sein Gehalt anzuheben, trotz seiner Proteste.

Blindenschrift: eine horizontale Linie
Was kann man mit 100 Shekeln kaufen? Frühstück für zwei in einem Restaurant.

200 Shekel Schein

200 Shekel Schein

Zalman Shazar, der dritte Präsident Israels, ist auf dem Schein mit dem höchsten Wert. Er war zudem der erste Bildungsminister und während seiner Amtszeit wurde die Schulpflicht eingeführt (1949). Daher sieht man im Hintergrund auch den hebräischen Satz „Shalom kita alef“ („Willkommen in der ersten Klasse“). Der Text neben ihm stammt aus einer Rede, in der er hervorhob, dass im Judentum eine Siedlung nur als Stadt verstanden werden dürfe, wenn sie einen Lehrer hatte, der von der Gemeinschaft bezahlt wurde. Auf der Rückseite des Geldscheins ist die Zeichnung der engen Straßen von Safed zu sehen. Safed war das Zentrum der Kabbalah, der jüdischen Mystik, die im 16. Jahrhundert aufblühte. Zalman Shazar kam selbst aus einer chassidischen Familie.

Blindenschrift: zwei horizontale Linien
Was kann man mit 200 Shekeln kaufen? Ein Abendessen für eine Person in einem teuren Restaurant.

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