Arik Einshtein

Israelische Geschichte in 10 Liedern

Historische Ereignisse vergehen und auch der Geist einer Zeit. Doch Musik bleibt erhalten. Die Songs, die ich hier vorstelle, wurden in markanten Zeiten geschrieben und aufgeführt, doch sie blieben weit über diese Zeiten hinaus lebendig. In diesen zehn Liedern steckt die Geschichte des Staates Israel.

HaReut (Die Freundschaft) –  the Nachal Band

Der Staat Israel wurde im Krieg gegründet. Die UN schlugen vor, das Land in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen. Die Juden stimmten dem zu, die Araber wiesen den Vorschlag ab und erklärten den Krieg, der in Israel später „Unabhängigkeitskrieg“ genannt werden sollte. 1% aller damals in Israel lebenden Juden kamen in diesem Krieg ums Leben. Ein Drittel von Ihnen waren Zivilisten, keine Soldaten. Auf diese Weise ist es nicht verwunderlich, dass es in vielen der ersten, in Israel komponierten Liedern um diesen Krieg geht. Der Titel dieses Liedes ist „HaReut“ (Die Freundschaft) und erzählt von einer Freundschaft in Kriegszeiten. In dem Video wird es von der Band „Nahal“ interpretiert, einer bedeutenden Armeeband. Bis in die 80er Jahre hinein begannen alle wichtigen israelischen Sänger ihre Karriere in Armeebands. Dieser Song war das Lieblingslied des 1995 ermordeten Premierministers Yitzchak Rabin.

BeAviv At Taschuvi Chasara (Im Fruehling wirst du zurueckkehren) – Mali Bronstein

Israels staatliche Institutionen wurden von vor der Staatsgründung bis 1977 von der Arbeitspartei kontrolliert. Viele Parteien der linken Bewegung orientierten sich an der Sowjet Union, bis Mitte der 1950er der sowjetische Antisemitismus bekannt wurde. Im Zuge des Suez-Krieges begann eine Liebesaffäre zwischen Israel und Frankreich, die bis zum Sechs-Tage-Krieg 1967 anhielt. Russische Volkslieder und französische Chansons prägten den israelischen Soundtrack dieser Jahre.

Jeruschalajim Schel Sahav (Jerusalem von Gold) – Shuly Natan

Ohne Zweifel ist dies das bedeutendste israelische Lied aller Zeiten und es wurde über das für Israel bedeutendste Ereignis aller Zeiten geschrieben, den Sechs-Tage-Krieg von 1967. Dieses Lied heißt „Jerusalem von Gold“ und wurde drei Wochen vor Kriegsbeginn veröffentlicht. Die israelischen Fallschirmjäger, die die Klagemauer eroberten (oder aus israelischer Sicht befreiten), sangen dieses Lied im Triumph und nach dem Krieg fügte die Dichterin Naomi Shemer die letzte Strophe hinzu. Das Album „Jerusalem von Gold“ wurde zum meist verkauften Album Israels, die Platte war in ausnahmslos jedem israelischen Haushalt zu finden.

Ksche’at Bocha At Lo Jafa (Wenn du weinst, bist du nicht hübsch) – HaChalonot HaGvohim

Der Rock n’ Roll erreichte Israel spät. Die „Hohen Fenster“ (HaChalonot HaGvohim) waren die erste israelische Rock-Pop-Band und sie gründeten sich 1967. Diese Band war der Vorbote der zunehmenden Nähe und des Einflusses amerikanischer Kultur auf die israelische. Dieser Einfluss sollte in den nächsten 20 Jahren stetig wachsen. Dies ist der erste in Israel veröffentlichte Videoclip.

Yo Ya – Kaveret

Der Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 erschütterte das Vertrauen der israelischen Bevölkerung in die Regierung. Folglich singen „Kaveret“, eine erfolgreiche Rockband dieser Jahre, auch nicht über israelische Siedlungen oder andere moralische Themen, sondern paradoxe Texte der Weltflucht. Kaveret war die erste Band, die die E-Gitarre auf israelische Bühnen brachte.

Hallelujah – Gali Atari & Milk and Honey – Eurovision

Von seinen arabischen Nachbarn wurde Israel nie akzeptiert und es selbst verstand sich stets den westlichen Demokratien näher verbunden. Seit 1973 nimmt Israel am Eurovision Song Contest teil. Im Rückblick mag das beinahe peinlich erscheinen, aber in den 70er Jahren wurde die Eurovision in Israel äußerst wichtig genommen. 1978 gewann Israel zu ersten Mal, allerdings hatte das israelische Fernsehen nicht ausreichend Satellitensendezeit erworben, so dass die Übertragung kurz vor der Verkündung des Siegers abgebrochen wurde. Im nächsten Jahr fand der Eurovision Song Contest in Israel statt und Israel gewann erneut mit dem Song „Hallelujah“. Es war eine der ersten Ausstrahlungen in Farbe im israelischen Fernsehen.

HaPerach BeGani (Die Blume in meinem Garten) Zohar Argov

1977 brachte eine politische Wende und Menachem Begin, Leitfigur der politischen Rechten,  wurde erstmals gewählt. Auch wenn  Menachem Begin, seine Parteigenossen und ihr poslitischen Ideen alle europäischer Abstammung waren, symbolisiert seine Wahl die Zunahme anderer Stimmen in der israelischen Gesellschaft. In der Musik waren diese Stimmen die von Sängern orientalischer Abstammung, die entsprechend von arabischer Musik beeinflusst waren. Zohar Argov ist zwar nicht der erste, doch zweifelsohne der wichtigste aller Künstler, die im orientalischen Stil sangen. „HaPerach BeGani“ gewann 1982 den ersten Platz beim „Orientalischen Sänger Festival“.

Im Ninalu (Wenn wir eingeschlossen wären) – Ofra Haza

In den 1980ern war die israelische Gesellschaft gespalten: der Libanonkrieg, der 1982 begann und bis 2000 andauerte, war für Israel das, was der Vietnamkrieg für die USA in den 60ern war. Wirtschaftlich hatte Israel begonnen sich von einer sozialisten Wirtschaft zu einer kapitalistischen zu entwickeln, eine Entscheidung die für viel Aufruhr und finanzielle Krisen sorgte. Die Musiker antworteten mit einer Rückbesinnung auf die Herkunft ihrer Eltern und ihre Musik stand unter dem Einfluss chassidischer, griechischer, jemenitischer usw. Kultur. Dieser Song von Ofra Haza wurde ein Welterfolg und war Bote der Strömung der „Weltmusik“, die gerade ihren Anfang nahm.

Achschav Meunan (Jetzt ist es bewölkt) – Aviv Gefen

Mitte der 90er, während der Friedensverhandlungen von Oslo, glaubten viele Israelis an den nahenden Frieden, doch die anhaltenden Terroranschläge führten zur Desillusionierung. Die Ermordung des Premierministers Yitzchak Rabin durch einen jüdischen Attentäter war eine der größten Krisen zwischen der politischen Rechten und Linken.

Anders als an vielen anderen Orten dieser Welt, wo Rockmusik als Rebellion gegen das System galt, war der israelische Rock nicht rebellisch. Aviv Gefens Musik kommt dem, was man „Protestmusik“ nennen könnte, am nähesten. Er war der erste israelische Musiker, der Songs über Depression und Trennung schrieb, wofür „I’m an Idiot“ ein gutes Beispiel ist.

Hee Yoda’at (Sie weiß– Ninette Taib)

Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts beschäftigte die Sicherheitslage weiterhin die israelische Gesellschaft, besonders die Frage iranischer Bedrohung. In den letzten Jahren haben die Israelis verstanden, dass nukleare Macht des Iran nicht ihre einzige Bedrohung darstellt und haben begonnen gegen hohe Mietpreise und niedrige Löhne zu protestieren. Die neue kulturellen Stars kommen nicht mehr aus Armeebands sondern aus Fernsehshows. Ninette Taib war die erste Gewinnerin von „Kochav Nolad“ („Ein Stern wird geboren“ – gleichzusetzen mit „Israel sucht den Superstar“) und ist die bekannteste Sängerin, die aus einer Fernsehshow hervor gegangen ist.

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