Eichmann's prison cell

Eichmanns Gefängniszelle

Das Gebäude, das gerade restauriert und in ein Boutiquehotel umgebaut wird, wurde 1897 von den Ottomanen als Gefangenenlager gebaut. Sowohl die Briten als auch die Israelis benutzten das Gebäude auch später als Solches. 1971 diente es außerdem als Kulisse für einen der berühmtesten israelischen Filme, „Schlaf gut, Wachtmeister“ („HaShoter Azoulay“) über einen Polizisten, der an seiner naiven Gutmütigkeit scheitert. Die Schlussszene ist in Israel unvergessen. Der Film wurde sogar für einen Oscar nominiert. Zehn Jahre früher, vor Beginn der Dreharbeiten zu diesem Film, saß in diesem Gefängnis Adolf Eichmann, der berüchtigtste Gefangene, dem je in Israel der Prozess gemacht wurde. Man kann die Zelle von Eichmann sogar genau ausmachen. Das Fenster seiner Zelle wurde versiegelt um Anschläge auf ihn zu verhindern. Heute prangt eine Karte des Forts von Jaffa an genau der Stelle dieses verschlossenen Fensters.

Eichmanns Gefängniszelle

Eichmanns Gefängniszelle

Der Eichmann-Prozess

Es gibt viele interessante Aspekte an der Geschichte Adolf Eichmanns, angefangen von seiner Zeit als Befehlshaber der Gestapo, wo er verantwortlich war für die Deportation und die Ermordung von hunderttausenden von Juden, über seine Flucht nach Argentinien zu Ende des Kriegs, bis hin zu seiner Festnahme in Argentinien durch den Mossad, der ihn nach Israel schmuggelte, dem darauffolgenden Prozess und seiner Hinrichtung. Trotzdem ist es von allen Ereignissen der Gerichtsprozess, der Israel am meisten geprägt hat. Die Bedeutung des Prozesses kann erfasst werden, wenn man sich der Worte Gideon Hausners bewusst wird, des Chefanklägers, der er zur Eröffnung des Prozesses in Jerusalem sprach:

So wie ich hier vor euch stehe, ihr Richter Israels, die Anklage gegen Adolf Eichmann zu leiten, stehe ich nicht allein. Mit mir stehen hier sechs Millionen Ankläger. Sie aber können nicht aufstehen um auf den Mann in diesem Glaskasten zu zeigen und zu rufen “Ich klage an!”. Denn ihre Asche liegt aufgeschichtet auf den Hügeln von Auschwitz und ist verstreut auf den Feldern von Treblinka, ausgewaschen durch Polens Flüsse, und ihre Gräber sind verstreut auf der Länge und Breite Europas. Ihr Blut schreit auf, aber ihre Stimmen werden nicht gehört. Daher werde ich für sie sprechen und werde in ihrer Namen, die überwältigende Anklage aussprechen.

Der Eichmannprozess bewirkte eine Veränderung des Umgangs der israelischen Gesellschaft mit dem Holocaust. 1953 war beschlossen worden, dass dem Holocaust am Tage des Beginns des Warschauer Ghettoaufstandes gedacht werden solle und dass er “Holocaust- und Heldengedenktag” heißen solle. Die Aufmerksamkeit wurde damals ganz klar denjenigen Juden zuteil, denen es gelungen war, Widerstand zu leisten – und nicht denjenigen die deportiert und in den Vernichtungslagern getötet worden waren. Aus heutiger Sicht mag dies sonderbar erscheinen, aber die Juden, die nach dem Holocaust nach Israel kamen, schämten sich für das was sie hatten durchleiden müssen und die einheimischen Israelis waren nicht sonderlich interessiert an ihren Geschichten. Außerdem wollten die Überlebenden des Holocausts ihre Familien nicht beunruhigen und beschlossen ihre Vergangenheit zu verdrängen und in der Gegenwart zu leben.

Eichmann wurde zum Tode verurteilt und seine Asche wurde im Meer vor Israel verstreut. Während des Prozesses wurden viele Überlebende des Holocaust nach ihren Erlebnissen befragt. Sie traten als Zeugen auf und erzählten in Gänze was ihnen wiederfahren war. Ihre Geschichten wurden über die Medien verbreitet und die Menschen begannen zu verstehen, dass Tapferkeit und Heldentum nicht nur bei jenen zu finden waren, die im Ghettoaufstand Widerstand geleistet hatten, sondern auch bei jenen, die es schafften trotz aller Qualen des Zweiten Weltkrieges zu überleben. Auch weitere Ereignisse der israelischen Geschichte veränderten die allgemeine Sicht auf den Holocaust, zum Beispiel die Zeit der Angst und der Anspannung vor und während des Sechs-Tage-Krieges (1967) oder der Yom-Kippur Krieg (1973). Das bedeutendste Ereignis hinsichtlich der Wahrnehmung des Holocaust in Israel ist aber nach wie vor der Eichmann-Prozess.

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