American Colony Jaffa

Amerikanische Kolonie – Mark Twain, Herman Melville und John Steinbeck in Tel Aviv

Öffnungszeiten des Main Friendship House Museums

Freitag: 12:00-15:00 Uhr, Samstag: 14:00-16:00 Uhr

Telefon: 03-6819225

Mark Twain - JaffaHerman Melville JaffaJohn Steinbeck Mt. Hope

 Mark Twain, Herman Melville, und John Steinbeck (aus wikipedia.com)

Zwischen Tel Aviv und Jaffa liegen drei kleine, schmale Straßen deren Geschichte selbst den meisten Israelis völlig unbekannt ist. Es ist die Geschichte von Amerikanern, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hier ansiedelten. Die Siedlungen sind an sich eher unwichtig, aber sie verbinden drei bekannte amerikanische Schriftsteller, Mark Twain, Hermann Melville und John Steinbeck. Die Siedlungen entstanden aus dem messianischen Eifer einiger protestantischer Christen Nordamerikas heraus, die begannen, sich immer mehr für Israel als das gelobte Land zu interessieren. So siedelten sie sich hier zwischen Jaffa und Tel Aviv an.

Amerikanische Kolonie Jaffa

Die schmalen Wege der Amerikanischen Kolonie sind die einzigen Überreste dieser Sage.

Im September 1866 beschloss eine Gruppe von 157 protestantischen Christen aus dem US-Staat Maine nach Israel zu emigrieren. Angeführt wurden sie von dem charismatischen Prediger George J. Adams, der sie in dem Glauben bestärkte, dass sie, indem sie in Israel siedelten, zur Rückkehr der Juden in ihr Heimatland beitragen würden, was wiederum die Wiederkehr des Messias beschleunigen würde. Sie erwarben ein Schiff, das so gebaut war, dass die Innenwände später zur Errichtung der Häuser an Land benutzt werden konnte. Neben der Hoffnung auf den Messiahs und eigenem Material für ihre Häuser waren diese amerikanischen Siedler auch die ersten, die fortschrittliche Geräte und von Pferden gezogene Karren für die Landwirtschaft mitbrachten. Sie schafften es, eine Siedlung zu errichten und übten sich in der Landwirtschaft im neuen Land, aber Gruppen von Einheimischen machten ihnen das Leben schwer, raubten und zerstörten ihr Werk und so kehrten einige nach Amerika zurück. Nach nur eineinhalb Jahren waren es nur noch 40 Siedler, die immer mehr verarmten und ihre Hoffnung auf ein nahes Kommen des Messias aufgaben. 1869 verkauften sie ihren Besitz an die deutschen Templer, ebenfalls eine messianische Gruppe, die einige Monate vor den Amerikanern in Israel angekommen waren. 1904 errichteten die deutschen Siedler an der Stelle der amerikanischen Kolonie eine Kirche, die heute von messianischen Juden (Juden, die an Jesus als den Messias glauben) und von christlichen Gastarbeitern für ihre Gottesdienste benutzt wird.

Als Mark Twain an einer Tour rund um das Mittelmeer teilnahm, zusammen mit einer kleinen Gruppe amerikanischer Pilger und Touristen, beobachtete er einige der Amerikanischen Siedler im Hafen von Jaffa. Er schrieb seine Beobachtungen in „The Innocent Abroad or the New Pilgrims’ Progress“ („Die Unschuldigen im Ausland oder die Fortschritte der neuen Pilger“) nieder. Es wurde zum bestverkauften Buch Twains.

Zehn Jahre vor Mark Twain kam Herman Melville, der Autor von Moby Dick, auf einen Besuch nach Israel. Melvilles Eindruck unterschied sich nicht sonderlich von dem Twains. In seinem Tagebuch „Journal of a Visit to Europe and the Levant“ (Tagebuch eines Besuchs Europas und der Levante) schrieb auch er von einem verwahrlosten, verarmten Land in dem Araber die Einwohner bedrohten:

„Nachmittags sprach ich mit Mr. und Mrs. Saunders in der amerikanischen Mission außerhalb der Mauer – bedrückende Geschichte ihres Experiments. Es ist wohl leichter Backsteine in eine Hochzeitstorte zu verwandeln als Orientalen zu Christen machen zu wollen. Es ist gegen den Willen Gottes den Orient zu christianisieren.“

Die Siedlung, über die Melville schreibt,  ist die erste amerikanische Kolonie außerhalb der Mauern Jaffas, die „Mount Hope Colony“. Die Siedlung wurde 1853 von einer Gruppe Amerikaner, die von einer Frau namens Clorinda S. Minor angeführt wurden, einer evangelischen Missionarin. Minor glaubte daran, dass das Ende der Welt nah war und dass die Welt nur erlöst werden würde, wenn der Sabbat eingehalten würde und Christen Juden dazu ermutigen würden, ins Heilige Land zurück zu kehren. Später schlossen sich ihrer Gruppe einige deutsche Siedler an. Sie ließen sich in der Nähe Jaffas nieder und gründeten eine Farm. Melville fasste seine Eindrücke folgendermaßen zusammen: „Die ganze Sache ist zur einen Hälfte melancholisch und zur anderen absurd – eigentlich wie der Rest der Welt.“ Und er fügte hinzu: „Kein anderes Land zerstreut romantische Vorstellungen zu schnell wie Palästina – vor allem Jerusalem.“

Immanuel Kirche - Amerikanische Kolonie

 Immanuel Kirche – Amerikanische Kolonie

Die Siedlung litt unter regelmäßigen Schikanen und Diebstählen durch die ansässige Bevölkerung. Eines Nachts, 1857, kam es noch schlimmer. Araber brachen in die Farm ein. Sie ermordeten einen der Männer (Frederick Großsteinbeck) und vergewaltigten eine Frau und ihre Tochter. Daraufhin beschlossen die Siedler, den Ort zu verlassen und nach Amerika überzusiedeln.

Einer von ihnen war der Bruder des ermordeten, Adolf Großsteinbeck. Dessen Enkel, der amerikanische Autor John Steinbeck, fügte Teile dieser seiner Familiengeschichte seinem Roman „East of Eden“ bei. 1966 reiste er nach Israel auf der Suche nach den Wurzeln seiner Familie. Er fand nur wenige Spuren der Siedlung. Die Farmgebäude waren spurlos verschwunden. Dort wo sie einmal standen befindet sich heute die Schule Shevah Mofet (HaMasger Straße 7). Zwei große Platanen in der Mitte sind die einzigen Überreste des früheren Farmgeländes. Der Stadtteil „HaTikva“ („Die Hoffnung“) im Süden von Tel Aviv wurde nach der „Mount Hope Colony“ benannt.

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